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Curiosa
Wissens- und wundernswertes rund um die Schwammerlwelt

 

 

Waldbesucher und besonders Schwammerlsucher machen oft Bekanntschaft mit Tieren.

Von Vögeln und Schmetterlingen lassen wir uns gerne ablenken. Anderes wirkt eher

unangenehm bis lästig, tote Tiere etwa, oder Nacktschnecken und stechende Insekten.

Manchesmal fallen Begegnungen aber aus dem Rahmen des Gewöhnlichen...

 

Sauereien

 

Wildschweine sehe ich in den letzten Jahren immer häufiger, Anfang 2009 hab ich wieder

mal eine Rotte von ca 20 Schwarzkitteln aufgestöbert, die dann unwillig grunzend einen

Halbkreis von 20 Metern um mich gezogen haben, bevor sie sich trollten.

Eine Stunde später ist mir dann noch einer der Dicksten zweimal buchstäblich über den Weg

gelaufen- er wollte wohl sicher sein, daß ich auf dem Rückzug bin.

In diesen Momenten ertappe ich mich immer wieder dabei, meinen Pulsschlag zu

kontrollieren.

Nicht immer ist ein Treffen mit SUS SCROFA Grund für Entspannung...

Es ist inzwischen schon mehr als 35 Jahre her. Ich war ein junger Student, der gemeinsam

mit 3 Kommilitonen das Mathematik-Vordiplom feiern wollte.

Wir waren dazu nach Wien gefahren und hatten eine kleine Ferienwohnung mit

angeschlossenem Weinkeller gefunden. Zum Auslüften gingen wir vors Haus, wo sich

günstigerweise gleich der Wald befand. In diesem Wald namens Tiergarten beschlossen

wir, die Tiere anzuschauen. Als wir nach 2 Stunden Wandern nur spärlich Vögel gefunden

hatten, wollten die Kollegen zurück zum Heurigen. Ich blieb tapfer und wollte unbedingt die

wilden Tiere, die ich sicher noch finden würde, auch fotografieren.

Schon nach einer weiteren Stunde hatte ich tatsächlich Glück!

In einem lichten Laubwald entdeckte ich, etwa 100m entfernt, eine Familie wilde Schweine.

Die Kamera in der Hand, arbeitete ich mich so geräuschlos wie möglich näher.

Dabei fielen mir dann noch viele kleine süße gestreifte Schweinchen ins Auge.

Bevor ich dann in Ruhe meine Fotos schießen konnte, hörte ich einen lauten Pfiff und alle

Schweine, groß und klein, entfernten sich hurtig.

Dachte ich zumindest- die größte Sau hielt nicht nur stand, sie kam mir entgegen. Im

gestreckten Galopp und (mir schien es jedenfalls so) mit riesigen Hauern wollte sie mich

kennenlernen.

Da fiel mir siedendheiß erstmal wieder ein, was ich bisher von Frischlingen und wilden

Bachen, Vergleichsgeschwindigkeiten von Mensch und Untier, und den jeweiligen Waffen

der Kontrahenten gehört hatte.

Dann erschien, wohl in Bruchteilen von Sekunden, mein ganzes bisheriges Leben vor

meinem inneren Auge. Die äußeren Augen nahmen anderes wahr.

Wieder in Sekundenbruchteilen erörterte ich mit mir Gegenmaßnahmen:

1. Verstecken:

hinter den dürren Bäumchen stehend konnte ich problemlos gleichzeitig links

und rechts vorbei auf das herannahende Ungetüm blicken - also erübrigte sich auch jeder

Versuch des Hochkletterns- ganz abgesehen von meiner untauglichen körperlichen

Verfassung...

2. Tricksen und Täuschen:

Den Gedanken, freundlich pfeifend auf sie zuzutreten und ein weißes Taschentuch zu

hissen, verwarf ich gleich wieder. Nur wenig länger erwog ich, Bockspringen zu üben.

3. Widerstand

Bald war mir klar, daß ich im Anblick der herannahenden Katastrophe zum Gegenangriff

übergehen musste. Ich wollte meine Kleinbildkamera opfern. Aber diese und auch die am

Boden liegenden Zweige würden wohl als Wurfgeschoß wenig Eindruck schinden.

Da kam mir die geniale Idee: Ich hatte Angst! Und- vor was hat wohl so eine Sau Angst?

Na? Na, höchstens vor dem Jäger mit seinem Hund, dachte ich.

Im selben Moment, in dem ich hinter dem Bäumchen vor und auf den Schwarzkittel

zugesprungen bin, mit erhobenen Armen und wie ein Jägerhund wild bellend, habe ich fast

an die Überlegenheit des Menschen geglaubt, noch bevor die Sau fünf Meter vor mir ihren

Höllenritt mit einer Vollbremsung abbrach, wendete und mit doppelter Geschwindigkeit

verschwand...

Stolz verließ ich die Stätte des ungleichen Duells.

Später erst,als ich den Freunden alles erzählt hatte und wir im Weinkeller saßen, begannen

meine Beine richtig zu schlottern: mehr als eine Stunde lang konnte ich sie nicht ruhig

halten.

Inzwischen genieße ich Wildschweine, insbesondere mit Preisselbeeren...